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Münchhausen
erzählt...
Auf meiner
letzten Asienreise,
Kurz vor den
Toren von Saigon,
Kreuzte doch
meine Einflugschneise
Ein
Sansibar-Chamäleon.
"Geh aus dem
Weg, Du Farbenklecks!
Die Spur
wurd reserviert für mich!"
"Eile mit
Weile," sprach die Echs,
"Hör
zu! Mein Schicksal rührt auch Dich!
Seh
ich das Grün im Palmengarten,
Riech rote
Rosen aus Athen,
Muss ich den
Farbkopierer starten.
Es
heißt ja, Buntes macht mich schön.
Doch
sieh dies wunde Schuppenkleid -
Massive
Hautirritationen!
Schlepp mich
dahin in tiefem Leid
mit
endogenen Depressionen.
Wenn ich es
physiologisch mess,
Schärfer
ist keine peeling-Kur.
Farbwechsel
nennt man den Prozess,
Welch heitre
Laune der Natur.
Du denkst
vielleicht, ich sei ein Tor.
Doch der
Vergleich hinkt sicher nicht:
Die Welt
hält mir den Spiegel vor,
In jeder
Farbe seh ich mich."
"Könnt
ich Dir helfen, würd ich's machen,
Du
Sansibar-Chamäleon."
Es
sprach: "Da gibt es tolle Sachen -
Hab meine
eignen Pläne schon!
Ein
Schnippchen schlug ich der Natur,
Schminkt
dottergelb mir meinen Bauch.
Lieg
rücklings ich auf weiter Flur,
Hoff ich,
der Adler sieht mich auch.
Zieht er am
Himmel Silberbahnen,
Muss ihn
mein Anblick recht ergötzen.
Er wird, ich
kann es nur erahnen,
An meinem
Leib den Schnabel wetzen!"
Ich rief:
"Haltstopp! Lass doch den Quatsch!
Ein Flugzeug
ist’s, kein Auerhahn!"
Da gab es
einen plumpen Patsch,
Gerädert
platt lag der Waran.
Siehst Du
den Fleck auf dem Beton,
Von
Künstlerhand dahin drapiert?
War’s
wirklich ein Chamäleon,
Hat
sich’s im Kontinent geirrt.
©
Karin Rohner 2003
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