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Chronik von
Klingberg (1957)
8. Das heutige Klingberg
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Das
heutige Klingberg (1957)
Ursprünglich
sollte Klingberg eine Vegetariersiedlung werden. Die ersten
Siedler
waren auch größtenteils Vegetarier. Doch
im Lauf der Jahre siedelten sich auch
"Fleischesser" hier an. Besonders nach dem 2. Weltkrieg nahm auch
Klingberg
Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands auf, die
keineswegs
Lebensreformer
waren. Heute leben in Klingberg Vegetarier und
Fleischesser beieinander.
Obwohl Klingberg jedes Jahr von Gästen aufgesucht wird, ist es
doch immer noch
ziemlich unberührt. Im Sommer fahren auf den Landwegen moderne
Autos, doch
im Winter ist Klingberg , wie alle Dörfer auf dem Land, von
der Welt abgeschnitten.
Es ist schwer, nach Scharbeutz oder Schürsdorf zu gelangen.
Die schmalen
Knickwege sind oft zugeschneit, und es dauert sehr lange, bis ein
Schneepflug
nach Klingberg gelangt. Nur die Stzraße zwischen Ziegelhof
und
Klingberg
besteht als einigermaßen befahrbare Landstraße.
Wer im Sommer nach Klingberg kommt, dem fallen die vielen
Obstgärten auf.
Die einzelnen Häuser liegen weit voneinander entfernt, hinter
Obstbäumen
verborgen. Der Obstbaum ist gewissermaßen das
Wahrzeichen Klingbergs.
Die Bewohner leben vom Obstanbau. Doch dieser allein reicht nicht zum
Lebensunterhalt. Es gibt reiche und arme Obstjahre. Reift in
einem Sommer
viel Obst, so fällt es shwer, es zu verkaufen, weil es Obst
in Hülle und Fülle
gibt. In einem obstarmen Jahr ist der Umsatz ohnehin gering. Darum
vermieten
im Sommer viele Klingberger Gästezimmer. In
großen Obstgärten werden
klein Wohnhütten aufgestellt. Diese werden von den
Gästen besonders gern
gemietet. Denn in den Hütten stört niemand
den anderen, weil sie weit
auseinander liegen. So entstanden in Klingberg neben den
großen Pensionen
zahlreiche private Zimmer.
Klingberg besitzt eine Jugendherberge. Sie liegt am
Fierthwald an der Landstraße
nach Schürsdorf. Die Jugendherberge besteht aus zwei
Gebäuden. Das große, neue
Gebäude ist die Herberge, das alte, lange
Gebäude bildet die Küche und
Privatwohnungen. Außerdem sieht man neben dem alten
Gebäude einen
Glasraum, den Aufenthaltsraum. Hier können sich die
Jugendlichen bei
Regenwetter aufhalten. Hinter der Herberge liegt ein
großer Sportplatz.
Der Sachsenhof, eine große Pension, wurde 1911 bis 1912
erbaut. Doch nach dem
2. Weltkrieg wurde er zum Altersheim umgebaut. Dort befindet sich auch
eine Obstmosterei.
Klingberg hat keine Schule. Klingberger Kinder
müssen heute nach Schürsdorf
in die Schule gehen. Das war nicht immer so. Nach dem 1.
Weltkrieg entstand
an der Landstraße nach Schürsdorf ( heute
Uhlenflucht) eine Privatschule. Sie
wurde von Frau Maria Westhoff, geb. van der Smissen, geleitet. Diese
Schule
wich ganz von dem damals gebräuchlichen Schema der Dorfschule
ab und war
eine Vorläuferin der Waldorfschule . Doch im Jahre 1927 musste
die Schule
aufgelöst werden.
In den letzten Jahren kauften viele Fremde in Klingberg Land auf und
bauten sich
Wohnhäuser. Die Ländereien, die die ersten Siedler
aufkauften, sind kaum noch
in deren Besitz.
Die Zeit, da auf dem Flecken wo Klingberg steht, die Kühe
weideten, ist längst
vorbei. Jedes Jahr wird mehr Ackerland zu Bauland.
Den schönen Wald, die Scharbeutzer Heide, sieht man aber heute
noch. Er ist ein
beliebtes Ausflugsziel, das sich zwischen Klingberg, Scharbeutz und
Haffkrug
erstreckt. Die ganze Landschaft besteht aus Hügeln.
In der Scharbeutzer
Heide findet man, wie überall in Ostholstein, zahlreiche
Hünengräber . Sehenswert
sind auch die Kronenbuche und die 13-stämmige Buche zwischen
Klingberg und Scharbeutz.
Im Kurgebiet Pönitzer See gibt es viele schöne
Wanderwege, die es wert sind,
dass amn sie bewandert.
Klingberg erfreut sich seiner günstigen Lage. Im Laufe der
Jahrzehnte ist
Scharbeutz zu einem bedeutenden Ostseebad geworden. Infolgedessen
steigen dort
die Pensionspreise. Scharbeutz hat auch nichts mehr von der Ruhe
vergangener
Zeiten. Gäste, die die Ruhe lieben, wohnen darum lieber im
gemächlichen Klingberg. Von hier aus können sie
bequem die Ostsee errweichen, haben den Wald und den Pönitzer
See sehr nahe und leben für sich allein.
©
Karin Rohner 2006
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