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Nein!
Pfeift der Sturm?
Keift ein Wurm?
Heulen
Eulen
hoch vom Turm?
Nein!
Es ist des Galgenstrickes
dickes
Ende, welches ächzte,
gleich als ob
im Galopp
eine müdgehetzte Mähre
nach dem nächsten Brunnen lechzte
(der vielleicht noch ferne wäre).
Christian Morgenstern
(aus den Galgenliedern)
Poem
Zum Thema Brunnen plant er ein Poem,
der Dichter. Doch er schimpft und flucht,
denn die Gedanken fließen zäh wie Lehm.
Gedichte schreibt man leicht – doch ein Poem?
Vor allem ist es reichlich unbequem,
daß er nach einem Reim auf
„plätschert“ sucht.
Den gibt es nicht. Drum gibt’s auch kein Poem.
Kein Wunder also, daß der Dichter flucht.
Oswald Köberl 2006
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Vorm Brunnen in Wimpfen
Du
bist kein du,
Wasser.Hättest nicht Ruh,
Mich auszuhören.
Ihr fließet immerzu
Und immer weiter und möglichst weit.
Wie euch der Brunnen aus eisernen Röhren
In den heißen Althäuserplatz speit,
Erdengeläutert und ausgekühlt;
Da ihr alte und neue Zeit
Und den Himmel abkonterfeit, —
Siehet mein durstiges Staunen
In euch doch immerzu andre.
Immer wieder mit über den Rand gespült,
Fängt es aus eurem Raunen
Nur eines auf: Wandre!
Von euch möcht ich trinken.
Ihr würdet lau, wenn ihr stehen bliebt,
Ihr würdet trüb. Ihr würdet verweilend
Faulen und stinken.
Was kümmert's euch, daß ein Mensch liebt.
Dauernd zerteilt euch selber enteilend,
Seid ihr getrieben ein treibendes
Ganzes, rein Bleibendes.
Joachim Ringelnatz
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