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Brunnengedichte


Gedichte vom Wasser, von Brunnen, Seen und Meeren



Karin Rohner - Ostsee-Leuchtturm

2Scalare - Grafik von Mike Strunck


Der Römische Brunnen

von Conrad Ferdinand MeyerRainer Maria Rilke



Der Römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.
 
Conrad Ferdinand Meyer


Geduld

Wasser geht stetig zum Brunnen,
auch ohne Krug.
Beharrlichkeit ist seine Stärke.
Steter Tropfen höhlt auch mich,
schmerzt meinen Lipppen,
wiegt schwer auf der Zunge -
bis er bricht...

Karin Rohner 1989
 


Römische Fontäne

Borghese

Zwei Becken, eins das andere übersteigend
aus einem alten runden Marmorrand,
und aus dem oberen Wasser leis sich neigend
zum Wasser, welches unten wartend stand,

dem leise redenden entgegenschweigend
und heimlich, gleichsam in der hohlen Hand,
ihm Himmel hinter Grün und Dunkel zeigend
wie einen unbekannten Gegenstand;

sich selber ruhig in der schönen Schale
verbreitend ohne Heimweh, Kreis aus Kreis,
nur manchmal träumerisch und tropfenweis

sich niederlassend an den Moosbehängen
zum letzten Spiegel, der sein Becken leis
von unten lächeln macht mit Übergängen.


Rainer Maria Rilke
Brunnengedichte - Römische Brunnen - Ebbe und Flut - Knutsch den Goldfisch - Der Lotse - Nis Randers



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Textsammlung:
Reisen, Berichte, Sagen und Bilder
von  Heine, Morgenstern, Rilke, Seidel, Schinkel, Raabe...
Gastautoren und Karin Rohner

Brunnengedichte, Der Römische Brunnen