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Ostsee-Strandleben in den Zwanziger-Jahren
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Ein Kind der
Ostsee
Wann kommst du denn wieder? Du bist doch hier im Ostzimmer geboren
und
ein Kind der Ostsee...
Mindestens einmal pro Jahr, zu meinem Geburtstag, schrieb mir meine
Großmutter diese Zeilen. Das mit dem Kind der Ostsee war ihre
Idee.
Sie dachte dabei wohl eher an ihre Tochter, meine Mutter, die bei
schönem Wetter täglich zur Ostsee pilgerte. Zu meinem
Leidwesen. Ich
mochte die Ostsee lieber aus der Ferne.
Wie schön war es, wenn man sich über einen der
zahllosen Hügel der
Holsteinischen Schweiz der See
näherte. Sieh mal, die Ostsee! Da liegt
sie, silbern
schimmernd im Sonnenglanz. Tiefblau, wenn die Sonne sich
versteckt.
Grau ind Grau sieht man sie nur, wenn man direkt vor ihr steht.
Und so
mag ich sie am liebsten.
Gewiss, ich liebe die Ostsee. Aber nicht das Drumherrum. Das endlose
Wandern über trockene Feldwege, zwischen deren Knicks sich die
Hitze
fängt. Die stundenlangen Aufenthalte am Strand. Zieh das
Hemd aus.
Sonne ist gesund. Du kriegst sonst Rachitis!
Doch beim Hemd blieb es nicht. Die Hose musste auch weg. Stell dich
nicht an. Du brauchst die Sonne am ganzen Körper.
Die jährlich neuen Versuche, braun zu werden! Dabei kam nur
krebsrot
heraus und schlaflose Nächte vor Sonnenbrand. Und die
vielen
Sommersprossen! Je mehr Sonne, desto zahlreicher wurden sie. Zum
Glück blieben sie rötlichblond, zum Haar passend. Ich
kannte ein
Mädchen mit tizianroten Haaren, bei der wurden die
Sprossen fast
schwarz. Sie schmierte sich eine Bleichcreme mit Namen
Schwanweiß
ins Gesicht. Die sollte aber sehr
schädlich für die Haut sein. Ich zog
lieber Blusen
und Jacken mit langen Ärmeln an, um die Sonnenstrahlen
zu
überlisten. Warum trägst du immer Sachen mit langen
Ärmeln? Ist dir
nicht viel zu warm? Diese Frage
höre ich auch heute noch. Ja, eigentlich
warte ich schon
darauf..
Karin Rohner © 2006
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