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Die Wende und der Mauerfall
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Zugewinkt hat uns keiner
von Karin Rohner
Das
Wochenende vom 11. auf den 12. November 1989 verbrachten wir mit dem
Autorenkreis in Bäk bei Ratzeburg. Wir lebten in unserer
eigenen Welt
mit
Lesungen und Diskussionen. Zum Radio hören blieb wenig
Zeit. Eins
wussten
wir - überall zwischen Ost- und West-Deutschland
fielen die
Grenzen. Und hier
saßen wir unmittelbar an der Grenze
zwischen
Schleswig-Holstein und
Mecklenburg.
Am Sonntag-Nachmittag machten meine Freundin Lilo und ich uns mit dem
Auto auf den gewohnten Rückweg nach Lübeck.
Die
wenigen Kilometer bis Ratzeburg - kein Verkehr in beiden Richtungen.
Den
bekannten Weg in die Inselstadt - bis auf ein paar
Fußgänger
gähnende Leere.
Auf der Strecke zwischen Küchensee
und Ratzeburger See
kein Auto.
Links und rechts der Fahrbahn Menschenmengen mit Fähnchen, die
uns aber
nicht beachteten.
Die warten wohl auf die Trabis, vermuteten wir, kurbelten die Scheibe
herunter
und riefen: Und wer winkt uns?
Keinerlei Reaktion. Die Menschen hatten eben keinen Humor!
Nach
dem Bahnhof Ratzeburg geringes Verkehrsaufkommen. Einige Trabis
aus
Richtung Lübeck. So unangefochten hatten wir die Strecke an
einem
Sonntag-Nachmittag noch nie bewältigt.
Dementsprechend groß war das Staunen zu Hause. Wie seid ihr
denn so
schnell nach Hause gekommen?
Na, ganz normal, über Ratzeburg.
Was heißt normal? Ratzeburg ist doch schon den ganzen Tag
gesperrt.
Wir haben es gerade wieder im Radio gehört.
Warum gesperrt?
Na, wegen der erwarteten Besucher aus der DDR.
Von
einer Sperrung hatten wir nichts bemerkt. Nur leere Straßen
und
Menschen mit Fähnchen am Straßenrand. Aber zugewinkt
hat uns keiner!
© KR 1990
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