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Holundersekt.
Voll erblühte Dolden in einen
Steinguttopf schichten. Zitronenscheiben mit der Schale dazu geben.
Honig in Wasser lösen, den Topf damit auffüllen.
Abdecken und am besten in die Sonne stellen, bis sich Bläschen
bilden. Abseihen, auf Flaschen ziehen, einige Wochen an
kühlem Ort lagern. Wenn das Herbstgrau anfängt, sich
auf 's Gemüt zu legen, eine Flasche duftenden Holunderbeersekt
entkorken.
Dein Gesicht in einem Meer von cremefarbenen Holunderblüten.
Sommersonne, Honigtau, Pfefferminze, Baldrian. Damit hat der
Onkel die Katze geärgert, sagt die Mutter. Ein paar Tropfen
Baldrian - und sie wälzte sich wie von Sinnen auf den Fliesen.
Die Holunderblüten riechen ihr zu penetrant. Penetrant nach
Leben und Tod. Die reifen, schwarzen Beeren, den daraus gewonnenen
aromatischen Saft, den mag sie. Holunderbeersuppe. Mit Zimt, Anis und
Nelken, Äpfeln und Griesklößchen.
Heiß genossen, wärmt sie im Winter durch bis in die
Zehenspitzen.
Holunderbüsche, den Gartenweg entlang. Hainbuchen,
Haselsträucher, Weißdorn, Schlehen. In der Luft der
scharfe Geruch von Maikäfern. Manchmal werde ich davon wach.
Das Holz des Holunders, außen rissig, innen weich. Mit einem
Messer ausgeschabt. Grüne Holunderbeeren in das Rohr gestopft,
mit einem Haselstöckchen aus der Öffnung heraus
katapultiert. Wer am weitesten schießt, ist Sieger.
Ob beim Schießen, bei Hüpf-, Fang-, Kreiselspielen -
immer galt es, König, Kaiser, Papst oder einfach Bettelmann zu
werden. Weibliche Titel, für die es sich lohnte, Arme oder
Beine zu bewegen, waren rar.
Zurück blieb die dumme Lies, wartend auf der grünen
Wiese.
von Karin Rohner 1990
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