|
|
|
|
|
|
|
|
|
Insel Rügen und
Hiddensee
|
Endstation
- der Bahnhof in Göhren
|
| |
|
|
Der Rasende Roland
Am dritten Tag war es dann so weit - die Sonne schien, und die gestern
noch sturmgepeitschten Weiden rührten kein Blatt - Zeit, um
sich auf der Insel umzusehen.
An der Bushaltestelle warteten einige Fahrgäste. Dem Fahrplan
entnahm ich, dass in ca. fünf Minuten ein Bus nach Göhren
fahren sollte. Das passte mir gut. In Göhren lag die Endhaltestelle der
Rügener Kleinbahn - weltweit bekannt als "Rasender Roland".
Gut dreißig Kilometer beträgt die Entfernung
zwischen Bergen und Göhren.
Ich hatte zwar gehört, dass Rügen
Deutschlands größte Insel sei, staunte aber
über die Vielfalt der Landschaft. Hügel und
Täler wechselten sich ab. Weideland, Hünengräber und
dichte Laubwälder - ein Querschnitt durch das Norddeutsche
Hügelland..
Der Bus fuhr durch Baase und Binz mit den typischen weißen,
filigranen Häusern. Bäderarchitektur nennen sie
diesen Baustil.
An manchen Orten wäre ich gern ausgestiegen, besonders dann,
wenn das Meer in mein Blickfeld rückte. Diesen Anblick hatte
ich in Bergen vermisst. Doch ich wollte ja nach Göhren.
Auch hier die typischen weißen Gebäude und die in
jedem kleinen oder größeren Ort vertretenen
Supermarktketten und Boutiquen.
Wegweiser mit Dutzenden von Zielen. Doch keinerlei Hinweis auf den "Bahnhof" oder "Rasenden Roland". Anscheinend
haben die Göhrener etwas dagegen, dass man ihre Stadt so schnell
wieder verlässt. Anhand einer Wegekarte puzzelte ich mich durch
bis zu einem Lokal mit Namen "Endstation", Haltestelle der Kleinbahn..
Da ich noch Zeit bis zur Abfahrt des nächsten Zuges hatte,
begab ich mich, vorbei an allerlei Vergnügungsstätten
und
Tennisplätzen, auf die Seebrücke und sah der Ankunft und
Abfahrt des Ausflugdampfers zu.
Da hörte ich ein Zischen und Pfeifen und wusste, der Rasende Roland war
eingefahren. Die alte Lok rangierte unter lautem Getöse hin und her und alle Leute
zückten ihre Kameras.
Neugierig lief ich durch den ganzern Zug, über wacklige
Plattformen, die die Waggons verbanden, und auf denen der Aufenthalt
während der Fahrt untersagt war.
Besonderes Interesse weckte in mir der Waggon mit der Aufschrift
"Buffetwagen". Er schien mir der älteste der Waggons zu sein.
Darum entschloss ich mich, mich hier niederzulassen und meinen Tee
zu
trinken. In der Ecke bullerte ein riesiger alter Eisenofen, und
die Hitze war kaum erträglich.
Die Frau, die in diesem Wagen bediente, erzählte mir, der Waggon
stamme aus dem Jahre 1911 und sei detailgenau restauriert worden. Man
hatte sogar jemanden gefunden, der die Gepäcknetze im alten Stil
flechten konnte. Die hellen Holzsitze, Rücken an
Rücken stehend, hatten originalgetreu gedrechselte Füße. Bei
der Sanierung dieses Waggons galten strenge Auflagen. Alles sollte
möglichst authentisch wirken.
Solch eine Fahrt durchs Jahr 1911 war mit ungeheurem Lärm
verbunden. Das war ein Rattern, Quietschen, Puffen und Pfeifen.
Die kleinen Orte, die wir durchfuhren, sind kaum in Erinnerung geblieben. Irgendwo
von Fern winkte die Gröditzburg.
Dafür erinnere ich mich an die Menschen, an denen wir vorbei
dampften. Egal, ob an der freien Streck oder mitten im Wald, alle
Leute, ob groß oder klein, strahlten über das ganze Gesicht beim
Anblick unseres kleinen dampfenden Ungeheuers.Sie fotografierten, winkten und lachten. Ich habe noch nie so viele
fröhliche Gesichter gesehen wie auf der Fahrt mit dem Rasenden Rolad
von Göhren nach Putbus..
© Karin Rohner 2006
Eine Brunnengeschichte
Lok 99 782 - in stiller Trauer Dein Team
|
|
|
|
|
|