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Die
alte Geschichte vom Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel
- oder - Mein
Name ist Hase...
"Wohin so eilig, Kleiner?"
"Hast du mich erschreckt, Grimbart!"
"Lass das Visier ruhig oben. Hab heut schon
gefrühstückt. Vor mir bist du
sicher, Stachelritter!"
"Immer diese Anspielungen!", brummelte der Igel. "Stacheln trag ich
seit
Jahrmillionen. Lange, bevor es in Mode kam, aufzurüsten!"
"Warum so mies gelaunt? Man wird doch mal einen Scherz machen
dürfen!"
entgegnete der Dachs.
"Sorry! Bin ein bisschen neben der Spur. Termine, Termine... Morgen
steigt
er, in aller Frühe, der nächste Wettstreit."
"Wettstreit - wovon redest du?"
"Sag bloß, das ist nicht bis in deinen Bau vorgedrungen. Der
Wettlauf
zwischen dem Hasen und mir."
"Das war einmal, vor langer Zeit und im Märchen!"
"Von wegen Märchen. Das Thema ist so aktuell wie eh und jeh!"
"Setz dich nen Moment zu mir! Du hast mich neugierig gemacht," bat der
Dachs.
Der Igel rollte näher. Einen Feind, den man nicht besiegen
konnte, zum
Verbündeten zu haben - nicht schlecht! Drei
Stirnstacheln ließ er noch
schützend über
die Augenbrauen hängen. Der Dachs sollte ruhig merken,
mit wem er es
zu tun hatte.
"Wie du selber sagtest, der Wettlauf zwischen mir und dem Hasen, der
hat Tradition. Nicht nur im Märchen. Seit Jahrhunderten rennt
sich der Hase
die Hacken wund. Ohne jemals klüger zu werden!
Wie oft dachte ich, jetzt
hat er die Sache geschnallt und stellt sich
nur dumm! Wegen der
Einnahmen!"
"Was denn für Einnahmen?"
"Dieser legendäre Wettlauf hat immer viele Zuschauer
angelockt. Und die
sind inzwischen bereit, für ihr
Vergnügen zu zahlen. Den Pott haben wir uns
geteilt,
fifty-fifty!
Begonnen hat dieser Wettlauf vor einigen hundert Jahren. Auf den
riesigen
Kohlfeldern zwischen Meldorf und Heide. Mitten im Sommer, wenn
die
Feldlerche sang und die Kohlköpfe so richtig im Saft
standen und gute
Deckung boten. Doch alles wird mal langweilig. Die
Leute wollten mehr
sehen, als Hase, Igel und Kohl. Auch der Ort des
Rennens behagte nicht
allen. Neue Rennstrecken mussten her. Auf den
Mohrrübenfeldern
zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe,
später in den Rapsfeldern
Ostholsteins. Überall
gleichzeitig konnte ich nicht sein. Aber die Menschen
denken ja, Hase
ist Hase, und Igel ist Igel! Die ganze Sippe haben wir
eingesetzt! Und
noch entfernte Verwandte dazu. Allein für die Verwaltung der
Hase-und-Igel-AG mussten wir sieben Leute einstellen, damit ich
überhaupt
noch selbst zum Laufen kam. Denn das lass ich mir
auf keinen Fall nehmen:
Die traditionellen Strecken laufe ich noch
selbst - pardon, sitze ich noch
selbst!"
"Du willst mir doch einen Bären aufbinden, lieber Igel!", rief
der Dachs.
"Lass mich doch erstmal ausreden... Wie gesagt, die guten, alten
Strecken,
die mache ich immer noch selbst! Zusammen mit meiner Frau.
Doch auch
das Nichtlaufen fällt von Jahr zu Jahr schwerer.
Außerdem - wenn meine
Frau im Kindbett liegt,
braucht sie ja auch eine Vertretung, die ruft:
"Ick bün all
da!"
"Das seh ich ja ein. Aber wozu der Propeller?"
"Siehst du heute noch jemanden zu Fuß laufen? Alle sind
motorisiert.
Warum nicht auch der Igel? Vor zwei Jahren begann bei mir
das technische
Zeitalter. Die Austragungsorte - kreuz und quer
über Schleswig-Holstein
verteilt - die langen
Wege lege ich nicht mehr auf
meinen kurzen Beinchen
zurück."
"Und der Hase?"
"Der bildet sich nach wie vor was auf seine langen Läufe ein.
Merkst du was?
Läufe - von Laufen. Den Fortschritt
hat er verschlafen, sag ich dir. Kennst
doch sicher den alten Schnack:
Mein Name ist Hase, oder...?"
© Karin Rohner 2004
Bad Schwartau - Kiel - Bad Malente-Gremsmühlen
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